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Basiswissen

In diesem Teil erhältst du das nötige Grundwissen für die nächsten Kapitel. Verschiedene Begriffe, die zum Verständnis beitragen, werden eingeführt und erläutert. Ein Filmprojekt kann grundsätzlich in drei Phasen aufgeteilt werden: Vorproduktion, Produktion und Postproduktion. In den folgenden Abschnitten werden die einzelnen Phasen kurz zusammengefasst und erklärt.

Vorproduktion

Die Vorproduktion ist der Grundstein, auf dem ein Film aufbaut. Zuerst muss eine Idee vorliegen, damit eine Geschichte erfunden und danach ein Drehbuch geschrieben werden kann. Man muss zudem Schauspieler suchen, die gewünschte Charaktereigenschaften und äusserliche Merkmale vorweisen. Liegt die endgültige Idee sowie das Drehbuch vor, wird ein Storyboard erstellt. Das Storyboard bestimmt die ungefähre Schnittfolge und den Bildausschnitt. Man zeichnet die einzelnen Einstellungen in rechteckige Felder ein. Dies erspart am Set viel Zeit, da man weiss, was man zu drehen hat und nicht fortlaufend entscheiden muss, was man wie und wo filmt. Damit der Zeichner effizient arbeiten kann, ist es wichtig, dass die Locations (Drehorte) schon fest stehen. Dies geschieht beim Location Scouting (Suchen der Drehorte). Ansonsten muss das Storyboard immer wieder angepasst und abgeändert werden. Ein Storyboard muss nicht zwingend schön gestaltet sein, im Vordergrund steht das genaue Definieren der einzelnen Einstellungen. Eine weitere Hilfe für den Dreh am Set ist die sogenannte Shotlist (Liste der einzelnen Szenen), die den genauen Ablauf der einzelnen Szenen aufzeigt. So ist die Crew (Filmteam) informiert, was man gerade aufnehmen muss. Zudem wird das Produktionsdesign festgelegt. Man entscheidet, wie ein Film aussehen soll. Dazu gehören das Kostüm- sowie auch das Setdesign.

Storyboard “Venture”

Shotlist “Venture”


Produktion

Ist die Vorproduktion abgeschlossen, beginnt der Hauptteil eines Filmprojektes, die eigentliche Produktion. In diesem Teil wird das Set aufgebaut und ausgestattet. Man muss beachten, dass nichts dem Zufall überlassen wird. Die ganze Location ist bis ins kleinste Detail durchgeplant und eingerichtet. Die Schauspieler werden in der Maske für ihre Rolle passend geschminkt oder z.T. ganz verändert.

Ein weiterer Aspekt der Produktion ist die Beleuchtung. Das am meisten angewendete Beleuchtungskonzept, ist die sogenannte Dreipunkt-Beleuchtung. Das Schlüssellicht ist die primäre Lichtquelle und definiert den Schattenwurf. Das Fülllicht hellt die dunklen Stellen auf, darf aber keinen eigenen Schatten generieren. Das Gegenlicht ist optional und hebt die Silhouette des Vordergrunds vom Hintergrund ab.

Bei Aussenaufnahmen kann man auf Scheinwerfer verzichten. Hierbei dient die Sonne als Schlüssellicht und ein Reflektor erzeugt das Fülllicht.


Die vom Storyboard definierten Szenen werden nun aufgenommen. Verschiedene Filmtechniken, wie Schärfeverlagerung und Kamerabewegungen werden angewendet. Nachfolgend sind die wichtigsten Kamerabewegungen und das jeweils benötigte Zubehör aufgeführt.

Schwenk Die Kamera dreht sich horizontal um die eigene Achse. Zubehör: Stativ

Neigung Die Kamera dreht sich vertikal um die eigene Achse. Zubehör: Stativ

Fahrt Eine Kamerafahrt kann in x, y und z Richtung gemacht werden. Es sind auch Kombinationen möglich. Zubehör: Stativ mit Rollen oder Schienen und Dolly, welche in professionellen Produktionen eingesetzt werden.

Steadicam Die Kamera wird auf einer speziellen Vorrichtung (Steadicam) montiert. Dies ermöglicht ein „Gleiten“ der Kamera. Im Film gibt es eine sehr flüssige, flugartige Bewegung. Zubehör: Steadicam oder günstigere Variante (Glidecam)

Zoom Der Bildausschnitt wird durch ein Zoom vergrössert oder verkleinert. Der Zoom wird heute eher selten eingesetzt. Zubehör: Zoomobjektiv

Der Einsatz der Kamerabewegungen sollte spezifisch und nicht zu oft eingesetzt werden. Die Bewegungen können Spannung erzeugen aber beim falschen Einsatz auch verwirren. Man kann sie auch als Stilmittel und Leitfaden im Film einsetzen.

Keine Einstellung ist beim ersten Aufnehmen perfekt. Deshalb wird die gleiche Einstellung mehrmals aufgenommen, damit beim Schnitt die beste ausgewählt werden kann. Findet der Cutter (Schneider) keine passende Einstellung, wird bestenfalls ein Nachdreh geplant oder die Einstellung ganz weggelassen.


Zudem muss der Kameramann die sogenannten Coverage-Regeln beachten. Die Handlung sollte sich nur auf einer Achse abspielen . Das SRS-Schema (Shot-Reverseshot bzw. Schuss-Gegenschuss) ist zu beachten. Überschreitet man die Handlungsachse, nennt man das einen Achsensprung, der unabsichtlich eingesetzt als Filmfehler gilt. Setzt man ihn jedoch begründet im Film ein, verdeutlicht er die Aussage. Ausserdem ist darauf zu achten, dass zwischen zwei Einstellungen mindestens 30° geändert werden. Ansonsten wirkt später ein Schnitt unnatürlich und falsch.

Postproduktion

Montage

Ein Element der Postproduktion ist die Montage. Hier wird das Rohmaterial geschnitten. Das Schneiden ist nicht nur ein „Aneinanderhängen des Materiales“. Der richtige Schnitt macht einen Film aus. Man achtet auf die Länge der Einstellungen und die verschiedenen Regeln, die eingehalten werden müssen. Meist wird ein Smooth Cut (weicher Schnitt) angestrebt. Man sollte die Übergänge zwischen den einzelnen Einstellungen nur bei genauem Betrachten bemerken. Grundsätzlich sollten die Schnitte unsichtbar sein. Somit entsteht ein fliessendes Bild und der Zuschauer entwickelt das Gefühl im Film zu sein. Hard Cuts (harte Schnitte) werden verwendet, um eine klare Abtrennung zweier Einstellungen zu bewirken. Sie werden nur eingesetzt, wenn sie eine bestimmte Bedeutung haben oder etwas speziell hervorheben sollten.

VFX

Die Visualeffects, auf Deutsch visuelle Effekte, spielen in der heutigen Filmbranche eine grosse Rolle. Dieser Bereich des Filmes hat sich in den letzten Jahren extrem schnell entwickelt, was mit der schnellen Forschung im Bereich Technik zu tun hat. Visualeffects werden in der Fachsprache mit VFX abgekürzt. Unter dem Begriff versteht man allgemein alle Effekte, die nach dem Filmen eingefügt und erstellt werden. Das real gefilmte Material wird mit digitalen Effekten vermischt. Durch diese Kombination sind Dinge, die im echten Leben unmöglich sind, plötzlich möglich. Beispielsweise kann man den gigantische Roboter kämpfen lassen oder ganze Szenerien digital erschaffen. Die VFX im professionellen Rahmen fallen meist viel üppiger und aufwändiger als im privaten Bereich aus. Das liegt vor allem am grösseren Budget und den grossen Teams, die alle an einem Projekt arbeiten. Zum einen wird Adobe After Effects gebraucht, es wird jedoch noch mit komplizierteren Bearbeitungsprogrammen wie zum Beispiel „Nuke“ kombiniert. Man versucht zudem gewisse Dinge mit Spezialeffekten am Set zu erreichen, da es digital sehr aufwändig ist.

Amateurbereich

Diese Effekte werden im Amateurbereich meist mit Adobe After Effects erstellt. Dieses Programm bietet viele Möglichkeiten und eine einfach zu erlernende Bedienungsoberfläche. Ein anderes Produkt ist Sony Vegas, was aber nicht wirklich als Konkurrenz von After Effects gilt. Ein klarer Vorteil von After Effects ist, dass man direkt mit Premiere Pro, dem Schneideprogramm von Adobe, zusammenarbeiten kann. Dies erleichtert das Arbeiten enorm. Probleme bietet im privaten Bereich vor allem die fehlende Technik. Mit einem normalen Computer kann man After Effects nur begrenzt nutzen, da man die angewendeten Effekte nicht direkt als bewegende Bilder ansehen kann. Möchte man etwas genau anschauen, muss man es mit dem Arbeitsspeicher vorrendern (alle Medien und Effekte werden berechnet und zu einem Video verarbeitet). Dies dauert eher lang und ist bei grösseren Projekten mühsam. Allgemein leidet das Arbeitstempo unter fehlender Leistung des Computers.

Das Internet trägt auch einen grossen Beitrag zum Wachstum der Visual Effects im Amateurbereich bei. Auf der Videoplattform Youtube gibt es viele Filmemacher, die regelmässig kurze Filme produzieren und sie mit schönen VFX ausstatten. Diese Produzenten dienen vielen als Vorbild und erwecken die Lust, eigene Projekte zu planen und zu realisieren. Die Effekte können mit geringen Mitteln erzielt werden, erfordern jedoch fortgeschrittene Kenntnisse der Bearbeitungsprogramme. Einige Beispiele findet ihr hier.

Möchte man die Bedienung des Programms erlernen, bietet das Internet sehr viele und gute Möglichkeiten. Vor allem Tutorials (Lernvideos), die Schritt für Schritt einen bestimmten Effekt erklären, helfen das Programm zu verstehen. Videocopilot ist eine der berühmtesten Seiten in Sachen VFX. Sie bietet über hundert Tutorials für After Effects. Speziell für Einsteiger gibt es einen Basislehrgang zu After Effects. Zudem produzieren sie sehr gute Stock Footage (Basismaterial) für Effekte, wie beispielsweise Rauchschwaden, Feuerbälle und Staubwolken. Diese Pakete sind zu einem fairen Preis im Onlineshop der Seite erhältlich und erweitern die Möglichkeiten eines Einzelnen stark.

Sounddesign

Einen Teil der Postproduktion, den man meist nur unbewusst bemerkt, ist das Sounddesign. Trotzdem ist dieser Teil auf keinem Fall weniger wichtig, da er dem Film das gewisse Etwas verleiht und Atmosphäre und Spannung schafft.

Veröffentlichung

Es gibt viele Möglichkeiten eine Filmproduktion zu veröffentlichen. Bei grossen Produktionen ist es üblich, dass der Film im Kino ausgestrahlt wird. So hatten früher kleine Produktionen gar keine Chance ans Publikum zu kommen. Heute hat jeder die Chance, entdeckt zu werden. Mit Plattformen wie Vimeo oder Youtube ist ein Film auf der ganzen Welt mit nur einem Klick verfügbar.